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Ralf Hansen

Grundfragen der Unternehmensbewertung

für mittelständische Unternehmen

 

Eine Rezension zu:

 

Stefan Behringer

Unternehmensbewertung der Mittel- und Kleinbetriebe

 

Betriebswirtschaftliche Verfahrensweisen

3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage

Bielefeld: Erich Schmidt Verlag, 2004, 286 S., 44,80 Euro

ISBN 3-503-07847-9

http://www.ESV.info/3-503-07847-9

 

Fragen der Unternehmensbewertung weisen enge Bezüge zum Unternehmensrecht auf, sei es in Bezug auf Unternehmensübertragungen, Liquidationen, Fusionen oder Abfindungsregelungen. Die maßgeblichen bewertungstheoretischen Ansätze in der Betriebswirtschaft gehen ausschließlich von der Bewertung großer Aktiengesellschaften aus, dabei bildet der Mittelstand nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, mit entsprechender Bedeutung für die Bewertungslehre. Der Band versucht ein Bewertungsverfahren zu entwickeln, das die Besonderheiten kleiner und mittlerer Unternehmen angemessen berücksichtigt. Eine solche Darstellung ist über den unternehmens- und wirtschaftsberatenden Adressatenkreis auch für Juristen interessant, die sich mit unternehmensrechtlichen Fragestellungen beschäftigen, da diese Fragen mit Fragen der Unternehmensbewertung stets eng verknüpft sind.

Der Verfasser unternimmt es zunächst einmal den Begriff der kleineren und mittleren Unternehmen zu präzisieren und zeigt dabei die ganze Schwierigkeit dieses Versuchs auf. Er geht in Kombination qualitativer mit quantitativen Merkmalen davon aus, dass es sich um konzernunabhängige Unternehmen handeln muss, mit unter 500 Beschäftigten, mit einem Eigentümer - Unternehmer, ohne Zugang zur Börse. Ob insoweit eine börsennotierte "kleine AG" nicht ebenfalls zu berücksichtigen wäre, ist allerdings eine Überlegung wert.

Im Anschluss an diese Überlegungen führt der Verfasser in die Grundlagen der Unternehmensbewertung ein und legt dem Leser die verschiedenen Bewertungsansätze in einer informativen und insbesondere auch gut verständlichen Übersicht dar. Er geht dabei insbesondere auch auf die Funktion der Unternehmensberatung und die Funktionen der Unternehmensbewertung für verschiedene Bewertungsperspektiven ein. Im Zentrum stehen selbstverständlich die verschiedenen Verfahren, von denen die Varianten der Ertragswertsmethode derzeit die interessanten Modelle darstellen dürften. Die aus den USA geläufigen marktorientierten Bewertungsverfahren hält er angesichts fehlender Daten über Akquisitionserfolge und andere relevante Daten in Kontinentaleuropa nur in engen Grenzen für vielversprechend.

Im vierten Kapitel werden diese grundlegenden Prinzipien auf die Erwerbssituation bei kleinen und mittleren Unternehmen angewandt, um sich sodann den Besonderheiten des Bewertungsverfahrens für diese Unternehmen zu zu wenden. Im sechsten Kapitel schlägt der Verfasser ein modifiziertes Ertragswertsverfahren zur Bewertung solcher Unternehmen vor, dass das traditionelle Ertragswertverfahren als Ausgangspunkt wählt. Die Modifikationen werden letztlich auf die Definition solcher Unternehmen rückbezogen, da insbesondere die Personenbezogenheit angemessen berücksichtigt wird. Ein Anwendungsbeispiel macht diese Überlegungen wesentlich klarer und nachvollziehbar. Ein sehr interessantes Kapitel widmet sich schließlich der Bewertung junger Wachstumsunternehmen.

Der Band ist eine nahezu ideale Grundlage sich mit Fragen der Bewertungsmethoden für kleinere und mittlere Unternehmen auch am speziellen Anwendungsfall vertraut zu machen.