Bioethik

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Ralf Hansen

Bioethik und Menschenwürde

Eine Rezension zu:

 

Nikolaus Knoepffler

Menschenwürde in der Bioethik

Erstauflage

 Heidelberg: Springer, 2004, 220 S.,

ISBN 3-540-21455-0

http://www.springer.de

 

Der Verfasser beschäftigt sich mit eines der brisantesten Themen der gegenwärtigen Rechtspolitik vor dem Hintergrund biotechnischer Möglichkeiten, die noch in den Anfängen stecken, deren sprunghafte Entwicklung aber weltweit zu erwarten ist. Der Blick auf die je eigene Rechtsordnung hilft hier nicht mehr weiter. Auf diese Möglichkeiten muss eine Rechtsordnung regulierende Antworten finden, die einerseits die Forschung nicht in Länder vertreibt, die derartige Grenzen nicht kennen, zum anderen verfassungsrechtliche Standards aufrecht erhält, die sich insbesondere aus dem Menschenwürdeprinzip ergeben, dass längst über das Verfassungsrecht hinaus seinen Einzug in das Völkerrecht gefunden hat, dort aber eine unzureichende regulierende Funktion innehat.

Vor diesem Hintergrund versucht der Verfasser zunächst einmal die Problematiken der Menschenwürde auf den Begriff zu bringen und unterscheidet bei der Menschenwürde als Konstitutionsprinzip vier Problematiken (Semantik, Begründung, Extension und Implementation), die sich daraus ergeben, dass eine normlogische Definition nicht existiert und man sich dem Inhalt dieses Prinzips daher nur nähern kann, ohne es abschließend bestimmen zu können. Semantisch betrachtet sieht er das Prinzip der Menschenwürde einmal durch die Subjektstellung und durch die grundsätzlich bestehende Gleichheit geprägt, von denen aus bioethische Konflikte zu strukturieren sind, je nachdem, ob es sich um Konflikte auf der Mikro- (Individuen), Meso- (Gruppen) oder Makroebene (beide Zonen im weltweiten Maßstab) handelt.

Er begreift Menschenwürde mit guten Gründen als Metaprinzip, das maßgebliche rechtliche und moralische Grundüberzeugungen als entscheidendes Prinzip hinter Prinzipien übergreift. Um dies deutlich zu machen, untersucht der Verfasser drei Problembereiche.und zwar Konfliktfälle am Lebensanfang, am Lebensende und bei gentechnischen Eingriffen am Menschen, wobei er wichtige Abstufungen nach der möglichen Eingriffsintensität vornimmt und eine Eskalation mit guten Gründen erst dann annimmt, wenn es nicht mehr um eine therapeutische Zielsetzung geht, sondern um die anthropotechnische "Verbesserung" von Menschen, für die es keine allgemein ausweisbaren Gründe gibt. Er sieht das Problem darin, dass für letztere Vorgehensweisen keine globalen Regeln bestehen, diese aber aufgestellt werden müssen, um derartige biomedizinische Techniken vor dem Hintergrund eines nicht hintergehbaren Menschenwürdeschutzes überhaupt verantworten zu können. Vor diesem Hintergrund spricht er sich für die Entwicklung eines Kodex in Kleinarbeit - im Anschluss an Überlegungen von Sloterdijk - aus, der letztlich nur in völkerrechtlicher Perspektive auf UNO-Ebene erarbeitet werden kann. Ein Projekt, dass durch Gewinnstreben und Machtwahn durchaus zunichte gemacht werden kann, aber unumgänglich ist.     

Das Buch wirft einen äußerst brisanten Blick auf eine der wichtigsten Problemzonen unserer Zeit.