Familienrechtsberatung kompakt

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Ralf Hansen

Ein Familienrechtslehrbuch für die anwaltliche Praxis

Eine Rezension zu:

Lothar Müller

Beratung im Familienrecht

2. Aufl., neu bearbeitete Auflage

Reihe: Tipps und Taktik

Heidelberg: C.F.Müller-Verlag, 2003, 203 S., 32 Euro

http://www.cfmueller-verlag.de

 

Das Familienrecht ist ein sehr dynamisches und in den Details schwer überschaubares Rechtsgebiet, das letztlich den anwaltlichen Spezialisten erfordert. Aber auch Rechtsanwälte, die nicht primär familienrechtlich arbeiten, kommen von Zeit zu Zeit mit dem Familienrecht in Berührung, etwa im gesellschaftsrechtlichen Kontext. Auch dann lauern Haftungsfallen. Ein gewisses familienrechtliches Basiswissen gehört daher zur anwaltlichen "Grundausstattung". Müller, der bereits ein hervorragendes Werk in der gleichen Reihe unter dem Titel "Vertragsgestaltung im Familienrecht" vorgelegt hat, schafft es in diesem recht schmalen Band auf engstem Raum einen überaus profunden Überblick über die anwaltliche Praxis im Familienrecht auch für "Nichtspezialisten" zu geben, sodass der Band gerade auch für "Allgemeinanwälte", die sich rasch einen Überblick verschaffen müssen, ein Informationsmittel der aller ersten Wahl sein dürfte. Es richtet sich aber auch und gerade an Rechtsanwälte (oder Referendare), die eine solche Spezialisierung anstreben. Der Nutzen wird durch zahlreiche integrierte Muster und Praxistipps noch erhöht. Das Buch eignet sich auch für den "eiligen Leser", der sich rasch vorbereiten muss und nicht viel Zeit zur Verfügung hat. 

Bereits die Einführung zeigt auf welchem Praxisniveau sich der Band bewegt. Immer wieder wird an Rechtsanwälte die Frage herangetragen (neben der beliebten Frage: "Geht das nicht online ohne Anwalt?" Nein, es geht nicht), ob es nicht reicht, wenn beide einen Rechtsanwalt beauftragen. Eine Beratung beider Ehegatten ist wie Müller deutlich klarstellt, berufsrechtlich nicht zulässig. Auch wird sehr treffend darauf hingewiesen, dass nach der geltenden Regelung zwar nur der Angreifer anwaltlich vertreten sein muss, während der Gegner das Verfahren über sich ergehen lassen kann. Dieser kann dann aber auch keine eigenen Anträge stellen, sodass eine anwaltliche Vertretung stets ratsam ist. Das Buch ist so aufgebaut, dass sich die Darstellung von der Mandatsabwicklung bis zum Ende der familienrechtlichen Verfahren entwickelt, sodass mit der Darstellung unterhaltsrechtlicher Auswirkungen der Trennung begonnen wird, die zum Unterhaltsanspruch nach § 1361 BGB führt, dessen Berechnung sich seit der Änderung der Rspr. des BGH im Jahre 2001 nach grds. nach der Differenz- oder Additionsmethode richtet. Diese Berechnungen - die generell einen Kernbereich der familienrechtlichen Beratungstätigkeit ausmachen dürften - werden anhand von Beispielen sehr gut und nachvollziehbar erklärt, unter Einbeziehung der Erwerbsobliegenheiten und der steuerrechtlichen Besonderheiten. Sofort in die Praxis umsetzbar sind die diesbezüglichen Ausführungen zum Auskunftsanspruch und zur verzugsbegründenden Geltendmachung des Unterhaltsanspruches.  Anschließend wird ein sehr interessantes Muster für eine Klage auf vorzeitigen Zugewinnausgleich vorgestellt und erläutert, um sodann die Rechtsverhältnisse an der Ehewohnung zu erörtern, mit entsprechenden Mustern für Anträge nach § 1361 BGB in der Hauptsache und im Verfahren des einstweiligen Rechtschutzes. Besonders intensiv und oftmals mit furchtbarer Erbitterung wird in dieser Phase um das Sorgerrecht gestritten, das nach § 1671 BGB einer Regelung im Wege der einstweiligen Anordnung nach dem FGG zugänglich ist, die nur unter der erschwerten Bedingungen des § 1696 BGB wieder abänderbar ist. Der Verfasser geht in diesem Zusammenhang auf alle maßgeblichen Fragen ein und beschäftigt sich auch ausführlich mit Umgangsregelungen. Recht eingehend (mit Antragsmustern) werden die Neuerungen durch das GewaltschutzG dargestellt, dessen Schutzmöglichkeiten im "Krisenfall" durchaus versagen können, sodass die Schutzwirkung letztlich beschränkt ist und keine allgemeine Sicherheit herstellen kann.

Bei den Ausführungen zum Getrenntleben weist der Verfasser intensiv auf die Notwendigkeit eines schlüssigen Sachvortrags bei entsprechender Dokumentation hin, die den Akt der Distanzierung nachvollziehbar belegen kann, was idealer weise durch anwaltliches Schreiben erfolgt. Hinsichtlich des Ehescheidungsantrages weist Müller auf die Notwendigkeit hin, den richtigen Zeitpunkt für die Einreichung des Scheidungsantrages zuwählen, um nachteilige Konsequenzen für den Mandanten zu vermeiden, etwa in versicherungsrechtlicher Hinsicht und mit Blick auf den Versorgungsausgleich und erbrechtliche Ansprüche. Um illoyale Vermögensverschiebungen zu vermeiden rät der Verfasser zudem treffend, dem anderen Ehegatten den Zeitpunkt nicht vorab zu offenbaren. Ein deutlicher Schwerpunkt der Darstellung liegt naturgemäß bei den güterrechtlichen Auseinandersetzungsansprüchen und nachehelichen Unterhaltsfragen unter Einschluss der Fragen des Kindesunterhalts. Die Darstellung enthält insoweit zahlreiche Berechnungsbeispiele. Besonders hinzuweisen ist auf das Kapitel zu den taktischen Überlegungen im verbundverfahren. Etwas kurz ist die Behandlung internationalprivatrechtlicher Fragen, die eine immer bedeutendere Rolle in der Praxis spielen.

Der Band hält in jeder Hinsicht, was er verspricht und bietet eine überaus profunde und kompakte Informationen für die anwaltliche Familienrechtspraxis.