Handbuch Filmrecht

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Ralf Hansen

 Film und Recht

Eine Rezension zu:

Hans - Jürgen Homann

Praxishandbuch Filmrecht

Ein Leitfaden für Film-, Fernseh-

und Medienschaffende

Heidelberg: Springer, 2003, 334 S.

ISBN 3-540-00014-3

http://www.springer.de

Dieses Praxishandbuch dürfte in der juristischen Literatur des Medienrechts ein Novum darstellen. Es behandelt die zahlreichen Probleme des Filmrechts in der zeitlichen Reihenfolge ihres Auftretens von Beginn der Stoffsammlung bis zur Fertigstellung des Produktes “Film” und seinem Vertrieb. Bereits dies macht das Buch interessant, weil die Einordnung der Probleme damit leichter fällt. Die sehr lebendig geschriebene Darstellung des Berliner Rechtsanwaltes trägt den Titel eines Praxishandbuches zu Recht, da die Problemzonen recht vollständig behandelt werden. Dies gilt um so mehr als es sich um eine Teilquerschnittsmaterie des Medienrechtes handelt, die von zahlreichen Rechtsnormen unterschiedlicher systematischer Herkunft geprägt ist, deren Aufarbeitung aber überaus gelungen ist. Das Buch richtet sich nicht so sehr an Juristen als an Leute aus der “Branche”, wie auch der Untertitel zeigt. Gerade deshalb ist der “chronologische” Aufbau sinnvoll, da die Einordnung der rechtlichen Probleme der angepeilten Leserschaft dann wesentlich leichter fallen dürfte und auch die Entscheidung einen Rechtsanwalt zum richtigen Zeitpunkt hinzuziehen, damit letztlich strukturierter erfolgen kann. Die Neuauflage wurde erheblich erweitert. Eingearbeitet wurden die zahlreichen Gesetzesänderungen etwa im Urheberrecht oder im Schuldrecht, die die Vertragspraxis erheblich verändert haben. 

Teil A behandelt zunächst einmal die vielfältigen Rechtsfragen rund um das Drehbuch, nicht zuletzt unter urheberrechtlichen Aspekten. Hier werden zunächst bezogen auf die Tätigkeit des Drehbuchautors Grundfragen des Urheberrechts thematisiert. Sehr lesenswert sind darüber hinaus die Ausführungen um die Beachtung fremder Rechte bei der Abfassung und Verwertung eines Drehbuches, da etwa “Plagiatsprozesse” in der Tendenz zunehmen, gerade wenn sich das Drehbuch auf eine literarische Vorlage stützt. Es ist sehr zu begrüßen, dass sich der Verfasser in diesem Zusammenhang auch mit kennzeichenrechtlichen Problemen auseinandersetzt, wobei es stets um die Abgrenzung der bloßen Markennennung von der verwechselungsfähigen markenmäßigen Benutzung einer Marke geht. Es gelingt aber auch dieser Darstellung erwartungsgemäß nicht, diesen schwierigen Bereich anhand abgrenzfähiger Merkmale zu konturieren, der von einer Rechtsprechung gekennzeichnet ist, die oftmals von Fall zu Fall entscheidet, so dass anwaltliche Beratung hier überaus risikoreich ist, da es bisher nicht gelungen ist hier wirklich tragfähige Abgrenzungsmerkmale herauszuarbeiten. Schließlich finden sich noch sehr wichtige Ausführungen zur Vertragsgestaltung während der Phase der Stoffentwicklung, wobei der Schwerpunkt auf der Übertragung urheberrechtlicher Nutzungsrechte liegt, deren Tragweite bei der Einräumung eines ausschließlichen Nutzungsrechtes sehr weitgehend ist, oftmals sogar unumkehrbar. Gerade hier herrscht bei Autoren oftmals eine große Unsicherheit. Das Kapitel über Rechtsfragen bei der Stoffentwicklung wurde erheblich erweitert. Der Verfasser diskutiert ausführlich die Folgen der Einführung des § 32 UrhG für die Filmwirtschaft. Da die Nichtregelung von Entgeltfragen eher die Ausnahme sein wird, wird intensiv die Frage erörtert, welche Folgen es haben kann, wenn statt der angemessenen Vergütung eine geringere Vergütung vereinbart wird. Der Urheber hat nunmehr einen gesetzlichen Anspruch auf Vertragsanpassung. Schwierig ist auch die Feststellung einer angemessenen Vergtung, die ebenfalls eingehend dargestellt wird, wobei insbesondere auf "Buy-Out-Honorare" eingegangen wird, die überaus üblich geworden sind. Auch die "Bestsellernorm" des § 32 a UrhG wird jetzt eingehend thematisiert, der auch im Filmbereich uneingeschränkt Anwendung findet. 

Teil B behandelt die Phase vom ersten Drehtag bis zum Final Cut, einsetzend mit einer Darstellung der Rechte der Filmschaffenden. Die Ausführungen über die vom Filmhersteller zu beachtenden, fremden Rechte dürften in dieser Kompaktheit selten zu finden sein, wobei die Passagen über das inzwischen fast gängige Product-Placement und die Filmmusik herausragen. Die Ausführungen werden besonders anschaulich durch die vorangestellten Beispiele. Diese Ausführungen zeigen wie vielfältig die mit der Verwendung von Filmmusik zusammenhängenden Rechtsprobleme sind, die stets eine anwaltliche Vorprüfung nahe legen. Dargestellt werden darüber hinaus auch Probleme der Vertragsgestaltung in der Produktion, wobei auch die wesentlichen Produktions- und Finanzierungsmodelle eingehend berücksichtigt werden. Hier überzeugt etwa die Darstellung der Verträge mit Mitwirkenden unter Einbeziehung der Schauspieler - und der Regieverträge. Intensiv erörtert werden in diesem Zusammenhang auch Fragen des Filmmusikvertrages und der Postproduktion.

Teil C widmet sich Fragen des Vertriebsrechtes. Hier werden zunächst einmal die lizenzvertraglichen Fragen aufgearbeitet, ohne deren Klärung sich ein Film nicht vermarkten lässt.  Fragen der DVD- und Videolizenzierung ebenso intensiv behandelt  wie der Fernsehlizenzvertrag. Kaum behandelt wird die Frage der Internetvermarktung. Ein Film ist wohl heute ohne Soundtrack kein tauglicher Film mehr (manchmal liegt der Eindruck nahe, manche Filme würden um Soundtracks herum konzipiert), so das auch Fragen der “sekundären Vermarktung” behandelt werden. Da Filmtitel und weitere Elemente auch als Marke schutzfähig sind, werden deren Eintragungsmöglichkeiten und deren Verwertung durch Erteilung von Lizenzen abschließend behandelt.

Das Werk behandelt die angesprochenen Materien in einer sehr flüssigen Darstellung im systematischen Zusammenhang und dürfte nicht zuletzt auch für Studenten von Filmhochschulen eine lohnenswerte Lektüre sein, von anderen Interessierten ganz zu schweigen.