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Ralf Hansen

Familienunternehmen und Generationswechsel

 

Eine Rezension zu:

 

Thomas Koblenzer

Familienunternehmen vor dem Generationswechsel

Reihe: NWB Ratgeber Steuerrecht

Herne/Berlin: nwb, 219 S.

ISBN 3-482-53941-3

http://www.nwb.de

 

Der Leitfaden bietet eine Orientierung zur strategischen Unternehmensnachfolgeberatung. Er enthält eine praxisorientierte Darstellung mit einem umfassenden Gesamtüberblick über die erb - wie gesellschaftlichen und insbesondere die steuerrechtlichen Aspekte der Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen. Die Einführung (Teil A) geht von einem realistischen Szenario für Unternehmensnachfolgesituationen in Familienunternehmen aus wenn kein Testament mit qualifizierten Nachfolgeregelungen vorhanden ist. Der Streit der Gesellschafter Erben ist dann meist vorprogrammiert und die Kommunikation wird regelmäßig an Rechtsanwälte delegiert. Die steuerrechtliche Situation tut ein übriges. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass nicht einfach Hinweise zur Optimierung der Streitsituation gegeben werden, sondern Konzepte und Alternativen zur Verhinderung derartiger Szenarien geboten werden, auch in Form von Beratungsalternativen. Ungeachtet dessen lotet der Leitfaden die bestehenden Möglichkeiten selbstredend anhand der bestehenden Rechtslage aus. Die Ausführungen sind nicht zuletzt auch für Betroffene interessant.

Teil B bietet eine Einführung in die "Grundlagen und Instrumentarien des Erbrechts", die hier sehr verständlich erklärt werden. Im Zentrum steht die steuernde Funktion eines Testaments nach Inanspruchnahme entsprechender Beratungsdienstleistungen. Erbvertrag und Pflichtteilsrecht kommen hier ebenso zur Sprache wie die Rechtsgeschäfte unter Lebenden auf den Todesfall. Teil C behandelt das Betriebsvermögen im Erbfall und differenziert die Situation - auch unter haftungsrechtlichen Aspekten - nach Einzelunternehmen, Personengesellschaften und GmbH. Die Berücksichtigung auch der "kleinen AG" wäre indessen eine sinnvolle Ergänzung.

Teil D skizziert die erbschaftssteuerliche Situation, wobei neben den Bewertungsfragen ein interessant gewählter Schwerpunkt auf der Entlastung des Betriebsvermögens nach § 13 a ErbStG liegt. Völlig konsequent entwickelt Teil E neben einer brillanten Analyse der steuerlichen Risiken auch wichtige Gestaltungsempfehlungen. Zur Sprache kommen hier selbstredend neben Grundfragen der Betriebsaufspaltung auch die Möglichkeit der Geltendmachung gewerbesteuerlicher Verlustvorträge. Eine interessante Lektüre stellen die Ausführungen zu den Besteuerungsfallen bei Immobilienschenkungen dar, da die Besteuerung hier durch das StEntlG 1999/2000(2002 erheblich verschärft wurde, wobei insbesondere die Spekulationsfrist um acht Jahre verlängert wurde. Als eine mögliche Alternative wird hier ein dingliches Nießbrauchmodell vorgeschlagen. Teil F geht intensiv auf Alternativgestaltungen bei der Unternehmensnachfolge ein. In diesem Zusammenhang wird insbesondere die Stiftung als Alternative näher beleuchtet, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Entwickelt werden hier aber auch Möglichkeiten des Trust, also im Kern Treuhandkonstruktionen, die sich aber eine Vergleichbarkeit mit deutschem Recht weitgehend entziehen, auch wenn sie mit deutschem Recht im Ergebnis herstellbar sind. MBO und MBI werden ebenfalls beleuchtet, um diese Ausführungen mit einer interessanten Darlegung zu Familien-Pool-Gesellschaften zu beenden, durchaus auch mit konkreten Hinweisen zur Gestaltung des Gesellschaftsvertrages. Der Anhang bietet Hinweise zur Gestaltung des Unternehmertestaments nebst Anregungen für Betroffene.

Der Leitfaden enthält zu einem eine Bestandsaufnahme der geltenden Rechtslage, bietet aber darüber hinaus auch zukunftsweisenden Konzepte, die bislang relativ gering verbreitet sind, sodass die Unternehmensnachfolgeberatung hieraus interessante Anregungen schöpfen kann.