Internetnutzung für Juristen

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Ralf Hansen

Zugang zu juristischen Informationen im Internet

Eine Rezension zu:
Schneider/Bauhardt/Deutsch

Praktische Internet-Nutzung für Juristen


Gesetze · Rechtsprechung · Fachbeiträge · Arbeitshilfen

Gezielter Zugriff auf die wichtigsten Internet-Adressen aller Rechtsgebiete

Augsburg: Kognos-Verlag,
2. aktualisierte und erweiterte Auflage, 2000, DM 198,-
(jährliche Neuauflage)
ISBN 3-931314-19-7

http://www.kognos.de

Aktuelle Ergänzungen im Fachinformationsdienst
INTERNET@ktuell
Zeitschrift erscheint vierteljährlich
pro Heft: DM 65,- plus Versandkosten
info@kognos.de
mit kostenlosem Zugang zur Datenbank unter:

http://www.injur.de


Dieser voluminöse, hochinformative Band enthält alle wesentlichen Fundstellen des Internets für die Arbeit des deutschen Juristen mit dem Netz, die sich notwendigerweise nicht auf "deutsche" Seiten beschränken kann. Wie das Vorwort treffend ausführt, bestimmt das Internet (konkreter müßte man von den verschiedenen Medien des Internets sprechen) zunehmend auch den Arbeitsalltag des praktisch wie theoretisch tätigen Juristen. Wer damit einmal gearbeitet hat, wird diese Medien allein aufgrund der Schnelligkeit der Informationsgewinnung nicht mehr missen wollen. Das Internet hat die juristische Informationsgewinnung in der Tat revolutioniert. Der Hinweis im Vorwort auf die schnelle Zugänglichkeit von Gesetzesänderungen etwa ist überaus treffend, auch wenn es immer noch kein zentrales "Portal" gibt, das alle deutschen Rechtsnormen dem User kostenlos zur Verfügung stellt. Es wird nicht mehr lange dauern - auch insoweit Zustimmung -, bis die Vernachlässigung des Internets als Informationsquelle zur anwaltlichen Berufshaftung führt, wie die Rechtsentwicklung in den USA bereits "vorgemacht" hat (U.S. Court of Appeals 7th Cir. V. 28.09.1995, Anwaltbl. 1996,158). Um die Recherche im WWW wird bald kein Anwalt mehr herumkommen, auch wenn die Printmedien nach wie vor ihren Wert behalten. Indessen ist ihre Aktualisierung im Web eine interessante Ergänzung, wie etwa die Online-Aktualisierung führender Kommentare zeigt. In der Tat enthält das Internet Informationen, die sonst nicht zu bekommen und sei es aufgrund einem eitlen Hang zur Selbstdarstellung. Bestimmte Sites des WWW zeugen deutlich von einem "Jahrmarkt der Eitelkeiten". Der Herausgeber spricht völlig zu Recht die Notwendigkeit an, sich im "Netz" über aktuelle Entwicklungen zu unterrichten, beispielsweise was die interessante Entwicklung der Anwendung des Markenrechts auf Domain-Names und Hyperlinks angeht, wovon insbesondere die "Explorer-Rechtsprechung" Zeugnis ablegt. Der Nutzen zeigt sich ganz besonders im schnellebigen Arbeits- und Sozialrecht, zu dem sich in diesem Buch zahlreiche Fundstellen finden.

Indessen gibt es kein "Adressbuch" für das Internet, sondern nur - manchmal zeitaufwendig und mühsam zu bedienende - Suchmaschinen. Bereits deswegen besteht - nicht zuletzt aus Gründen eines effektiven Zeitmanagements - ein hoher Bedarf an einem Internet-Guide für Juristen, wie ihn dieses Werk auf einem hohen Niveau bietet. Die Adreßangaben führen unmittelbar zur gewünschten Informationen. Daß ein solches Werk bei Druck teilweise schon veraltet sein kann, muß jedem klar sein, der sich im Netz bewegt, denn letzteres ist nun einmal schnellebig. Nichtsdestotrotz zeugt gerade die juristische Informationsverarbeitung im Internet von einer bemerkenswerten Kontinuität. Zahlreiche Sites werden bereits seit Jahren geführt. Bewährt hat sich die Einteilung des Stoffes in Normen, Rechtsprechung, Fachbeiträge, Arbeitshilfen und sonstige wichtige Adressen. Enthalten sind inzwischen Hinweise auf mehr als 2.100 (!) Fundstellen im Internet. Der auf den ersten Blick hohe Preis erklärt sich angesichts der Kostenintensivität der Recherche.

Ein Vorteil des Werkes ist seine Voraussetzungslosigkeit. Es ist keineswegs für den "Netz-Freak" geschrieben, der sich bestens im Netz auskennt (aber auch dieser findet hier zahlreiche interessante Fundstellen). Ein Glossar vor den Adresslisten unterrichtet über die spezifische "Fachsprache". Eine Einführung in das Internet - die hinsichtlich der technischen Voraussetzungen zutreffend auf andere Darstellungen verweist - erläutert die einzelnen Medien des Internets und erklärt dem "Newbie" wie man mit welchen Strategien effektiv Informationen im Internet findet, da juristische Suchzeit im Netz stets ein Kostenfaktor ist, der sich insbesondere in der Telefonrechnung zu Buche schlägt. Enthalten ist auch eine Übersicht über die maßgeblichen Suchmaschinen, sowohl was Spider und Verzeichnisse angeht. Eine effektive Suchstrategie hat dabei mit einer gezielten Datenbankabfrage viel gemeinsam, da die besten Ergebnisse mit sehr konkreten Begriffen erzielt werden. Ohnehin bietet sich die Ergänzung durch Benutzung von CD-ROM-Datenbanken an. Erläutert wird dabei etwa die - noch viel zu wenig genutzte - Möglichkeit des Austausches mit Kollegen und potentiellen Mandanten durch Mailinglisten und Newsgroups. Auch interne Mailinglisten ermöglichen eine rasche Koordination.

Die Adresslisten sind nach einer bestimmten Struktur aufgebaut und enthalten allgemeine Informationen vor speziellen informationen. Es wäre sinnlos hier einzelne Links in größer Anzahl herauszugreifen. Die angegebenen Inhalte werden indessen nach drei Kategorien bewertet: 1. @ = brauchbar, 2. @@ = gut verwertbar, 3. @@@ = sehr gut verwertbar. Die Bewertungen sind in aller Regel nachvollziehbar, wie intensive Stichproben gezeigt haben. Das Angebot der einzelnen Sites wird kurz und prägnant derart erläutert, daß der User einen recht zuverlässigen Eindruck davon bekommt, was ihn auf dieser Site erwartet. Was den Bereich etwa des gewerblichen Rechtsschutzes angeht, wird mit gutem Recht die Site von http://www.transpatent.com herausgestellt, die in einem Screenshot auch abgebildet ist. Eine sehr gute Übersicht findet sich zu Gesetzgebungsvorhaben. Die angegebenen Hyperlinks beschränken sich keineswegs auf den deutschsprachigen Raum, sondern beziehen das Recht des Auslands, sowie das Europa- und Völkerrecht sehr weitgehend ein. So findet sich etwa sogar ein Link auf eine Site mit Zugang zum isländischen Recht. Wer ein außenhandelsrechtliches Mandat mit Berührung zu dieser Rechtsordnung bearbeitet, dürfte solche Hinweise zu schätzen wissen.

Keineswegs zufriedenstellend ist die Präsentation der deutschen Rechtsprechung im Netz, von der großartigen Site des BVerfG einmal abgesehen (http://www.bverfg.de). Indessen finden sich immer mehr Gerichte im Netz; auch private Urteilsdatenbanken werden aufgebaut (s. etwa http://www.jurawelt.com/gerichtsurteile). Viele Zeitschriften bieten inzwischen Urteilsdatenbanken an, wie etwa die GRUR und die ZIP. Dieses Kapitel führt so ziemlich alle interessanten Sites auf, die bei Redaktionsschluß derartige Angebote aufgewiesen haben. In großer Anzahl erfaßt werden auch juristische Fachbeiträge, für die das Netz inzwischen eine "Fundgrube" geworden ist, was inzwischen auch Autoren nachdenklich macht, die sich diesem Medium im wesentlichen noch aus urheberrechtlichen Gründen verweigern. Was nicht bedeuten, kann Printmedien überflüssig machen zu wollen. Ganze Bücher im Netz sind ein schwieriges Unterfangen. Für größere Manuskripte ist das WWW nur bedingt geeignet. Insbesondere für Rechtsanwälte interessant ist insbesondere das Kapitel "Arbeitshilfen". Hier finden sich auch zahlreiche Muster für Schriftsätze und Formulare. Sogar ein Link für einen Mustervertrag für eine anwaltliche Sozietät findet sich. Sehr "nachschlagenswert" sind insoweit die familienrechtlichen Links, die zur "Düsseldorfer Tabelle" führen. Das sechste und letzte Kapitel hat eine Art "Auffangfunktion" und versammelt Adressen, die in die anderen 5 Kapitel nicht so recht passen wollen, etwa Hinweise auf Anwaltvereine (s. etwa http://www.dav.de oder http://www.rav.de), Gerichte oder internationale Organisationen oder zu Rechtsanwaltskammern. Interessant sind etwa bei überörtlichen Mandatswahrnehmungen die Links zur Anwaltssuche. Die Sites von Staatsorganen sind sogar nahezu vollzählig verzeichnet.

Natürlich wird der erfahrene User stets irgendwelche Links in einem solchen Werk vermissen. Dies ist angesichts der Unübersichtlichkeit des Webs nahezu unvermeidbar. Wer Vollständigkeit erwartet, muß enttäuscht werden. Indessen sind Qualität und Umfang der enthaltenen Links verblüffend. Dem Mangel an Aktualität des Buches hilft indessen der vierteljährlich erscheinende Fachinformationsdienst INTERNET@aktuell ab, dessen Bezug auch den (dann kostenfreien) Weg zur sehr gelungenen Online-Datenbank des Verlages (http://www.injur.de) eröffnet. Die Zeitschrift folgt dem Konzept des Buches und enthält systematisch geordnet kommentierte Links. Ständig aktualisiert wird die Online-Datenbank, in die Informationen auf neuestem Stand recherchiert werden können.

Für Anwaltskanzleien, Behörden, Universitätsinstitute und sonstige juristische Tätigkeitsfelder dürfte sich die Nutzung dieses qualifizierten "Rund-um-Angebotes" recht schnell bezahlt machen, wenn das "Netz" als Recherchemedium effektiv genutzt sein will.