Kanadisches Recht

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Ralf Hansen

Basics zum kanadischen Recht

Eine Rezension zu:

Stephan Handschug

Einführung in das kanadische Recht

JuS-Schriftenreihe, Bd. 16: Ausländisches Recht

München: C.H.Beck, 2003, 152 S., 16,80 EUR

ISBN 3-406-50826-X

http://www.beck.de

Trotz vielfältiger Wirtschaftsbeziehungen zu Europa ist über das kanadische Recht wenig präsentes Wissen vorhanden, außer dass diese Rechtsordnung weitgehend zum anglo-amerikanischen Rechtskreis gehört. Eine knappe Übersicht fehlte bislang. Die Einleitung spricht dieses Missverhältnis deutlich an und stellt auch den für Investoren interessanten Wirtschaftsstandort Kanada vor. Vor diesem Hintergrund gibt der Verfasser einen ersten Einblick in die kanadische Rechtsordnung, die selbstredend keine rechtsdogmatischen Vertiefungen beinhalten kann und auch für Leser interessant ist, die einfach nur mal etwas über das kanadische Recht wissen möchten.

Um Verständnis für die Entwicklung und die Traditionen des kanadischen Rechts zu wecken, gibt der Verfasser zunächst einen historischen Abriss, ausgehend von der zunächst französischen Eroberung, die von den wirtschaftlichen Interessen des Pelzhandels gekennzeichnet war, aber nach und nach von englischen Interessen überlagert wurde, die zum siebenjährigen Krieg von 1756 - 1763 führten und im Frieden von Paris zur Übernahme der Gebiete durch England führten. Umso erstaunlicher ist es, dass sich französische  Rechtstraditionen in Neufrankreich (Provinz Quebec) bis heute erhalten haben, beruhend auf dem Quebec-Act von 1775, der bislang allen Unabhängigkeitsbestrebungen standgehalten hat. Verfassungsvergleichend ist diese Entwicklung für den Umgang mit "Minderheiten" äußerst interessant und aktuell. Ungeachtet dessen entfaltet der Verfasser auch die Common-Law-Traditionen, die das Recht der englischsprachigen Provinzen prägen.

Vor diesem Hintergrund werden die Grundlagen des kanadischen Rechtsdenkens entfaltet, orientiert an einer kurzgefassten Rechtsquellenlehre. Im Anschluss wird die kanadische Verfassung von 1982 erläutert, der eine schillernde Gesetzgebungsgeschichte aufweist, nicht zuletzt aufgrund der Sezessionsbestrebungen Quebecs und der Minderheitenrechte der indianischen Urbevölkerung, deren Durchsetzung durchaus noch nicht gesichert ist. Diese Verfassung verfügt über einen sehr umfassenden Grundrechtskatalog, der 1982 ein Novum für Kanada darstellte. Interessant zu lesen ist auch der Abschnitt über die Verfassungsdiskussion nach 1982, die wiederum von den bereits genannten Einflüssen geprägt war.

Gut dargestellt wird auch die Gerichtsbarkeit in Kanada und zwar sowohl hinsichtlich der Aufgaben der Bundesgerichte als auch der Provinzgerichtsbarkeit. Ein interessanter Rechtsabschnitt thematisiert die Besonderheiten hinsichtlich der Nachkommen der indianischen Ureinwohner Kanadas in den sog. "Sentencing Circles", die versuchen indianische Rechtstraditionen aufzugreifen. Dargestellt werden auch die Besonderheiten des Rechtssystems in Québec, das über ein eigenes Zivilgesetzbuch von 1991 verfügt, dessen Inhalt ganz kurz dargestellt wird. Darüber finden sich knappe Skizzen über die juristische Ausbildung in Kanada und die Berufsbilder von Rechtsanwälten und Richtern, gefolgt von einer Übersicht über aktuelle Entwicklungen, die auch das Problem der steigenden Studenten- und Anwaltszahlen anspricht. Die maßgeblichen Verfassungsdokumente finden sich im Anhang. In der nächsten Auflage böte sich eine Erweiterung um Kapitel zu den Grundstrukturen des Zivil- und Handelsrechtes an. Auch könnten Internetfundstellen angegeben werden, die es erlauben das kanadische Recht von Deutschland aus zu recherchieren, wie etwa  http://jurist.law.utoronto.ca.

Der schmale Band bietet einen guten, ersten Einblick in das interessante kanadische Recht.