Limited Company by Shares

Home Nach oben

Ralf Hansen

Eine kurze Übersicht über die Ltd.

Eine Rezension zu:

Volker G. Heinz

unter Mitarbeit von

Gregory Taylor und Anna Schewtschenko

 Die englische Limited

Eine Darstellung des Gesellschafts- und Steuerrechts

mit Gesetzesauszügen und Mustern

Erstauflage

Baden - Baden: NOMOS, 2004, 188 S.

ISBN 3-8239-0760-2

http://www.nomos.de

 

Der "Run" auf die Limited Company by Shares ist seit den bahnbrechenden Urteilen des EuGH in ganz Europa eröffnet. Für den Geltungsbereich des EGV brachte er einen Wechsel von der Sitztheorie zur Gründungstheorie im internationalen Gesellschaftsrecht für die zugezogene Niederlassung mit sich, dessen Auswirkungen noch nicht völlig abzusehen sind. Es ist damit zu rechnen, dass das deutsche GmbH - Recht erheblichen europarechtlichen Angriffen ausgesetzt wird, mit ungewissen Folgen.  Den entscheidenden Charme der Ltd. macht die Kombination einer Haftungsbeschränkung mit einem geringen, üblicherweise ca. 100 £ betragenden Haftkapitels nebst einer einfach wirkenden rechtlichen Struktur aus, die aber durchaus ihre Tücken hat und begleitende Rechtsberatung erfordert.

Es gibt im Netz viele Angebote für Ltd. - Gründungen, teilweise zu "Spottpreisen", vor denen deutlich zu warnen ist, weil eine Gründung "von der Stange" ohne anwaltliche Begleitung durchaus Risiken schafft, etwa wenn eine Treuhandlösung gewollt ist. Die Gründung ist überdies nur der erste Schritt. Von den Folgekosten und Rechtspflichten nach der Gründung ist oftmals nicht die Rede. Was billig aussieht, kann oftmals sehr teuer sein. Immer zu bedenken sind auch bilanzrechtliche und steuerrechtliche Fragen.

Der nunmehr vorgelegte Leitfaden bietet eine ausgezeichnete erste Information über diese Gesellschaftsform, der es einerseits ermöglichen soll, eine solche Gründung anwaltlich zu begleiten, andererseits künftigen "directors" und "company secretaries" Hilfestellungen zu geben. Dieser Aufgabe wird der Text völlig gerecht, ohne das er - ausdrücklich - Rechtsberatung ersetzen können soll oder will. Die Vorbemerkungen erklären dem Leser die gesellschaftsrechtlichen Rechtsgrundlagen des CA 1985 und machen deutlich, dass im englischen Gesellschaftsrecht die Grenzen zwischen Konstrukten die einer deutschen GmbH ähneln im Vergleich zu einer Aktiengesellschaft sehr fließend sind. § 1 erläutert die Unterschiede zwischen Sitz- und Gründungstheorie im internationalen Gesellschaftsrecht. Der Wechsel zur Gründungstheorie bewirkt, dass eine in England gegründete Gesellschaft mit einer Niederlassung nach Deutschland "umziehen" kann, ohne ihr Gründungsrecht zu verlieren, sodass sie im Lichte der Niederlassungsfreiheit als europäischer Grundfreiheit rechtlich in Deutschland anzuerkennen ist, auch handelsregisterrechtlich. Richtigerweise bedarf es einer Eintragung in das deutsche Handelsregister bei meist weitgehend theoretischer Aufrechterhaltung eines englischen Verwaltungssitzes.

§ 2 geht auf das jeweils anwendbare Recht ein, während § 3 die Grundzüge der Gesellschaftssatzung erläutert, mit Hinweisen zur Namenswahl und zur optimalen Gestaltung des Gesellschaftsvertrages, denen in § 4 Hinweise zur Anteilsstruktur und in § 5 zu den Organen der Gesellschaft folgen. Wichtig ist die Lektüre des § 6 zur Vertretung, der auch auf die möglichen Treuhandkonstruktionen eingeht. § 7 geht näher auf den Gründungsprozess ein, während § 8 kurz die Haftungsbeschränkung beschreibt.

In § 9 wird die Kapitalverfassung erläutert. In der capital clause des Memorandum muss ein Nennkapital ausgewiesen werden, das für die Haftung aber wie das Stammkapitel einer GmbH ohne Bedeutung ist. Haftungsrechtlich relevant ist nur das Haftkapital, dem issued share capital. Die Kapitalaufbringungs- und Kapitalerhaltungsvorschriften sind indessen wesentlich großzügiger als im deutschen Recht. § 10 behandelt den auch hier denkbaren Zugriff auf das Privatvermögen der Gesellschafter in bestimmten Fällen, wobei die Saloman doctrine dies indessen zur strikten Ausnahme macht, was jedoch für "Strohmannkonstruktionen" durchbrochen werden kann, sodass insoweit durchaus Risiken bestehen. Die §§ 11, 12 gehen auf Publizitätspflichten und Rechnungslegungsvorschriften ein, die recht streng sind und die Ltd. letztlich für Unkundige zu einem gewissen Risiko werden lassen, wenn nicht Steuerberatungsdienstleistungen effektiv in Anspruch genommen werden. Auch ist die Praxis der deutschen Finanzämter bei einer Tätigkeit in Deutschland noch keineswegs einheitlich. § 13 vertieft die steuerrechtliche Perspektive, während § 14 auf die Probleme einer Liquidation kurz eingeht. In §15 wird die Möglichkeit einer Zweigniederlassung kurz aufgegriffen. Der interessante Anhang bietet die maßgeblichen Gesetzestexte und Formulare.

Der ausgezeichnete Leitfaden ist für die Einschätzung des Rechts der englischen "Limited" von Deutschland aus eine hervorragende Hilfe und informiert in knapper Form über alle wesentlichen Aspekte.