Das Mandat im Familienrecht

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N. Schoss, Rechtsanwältin (Syndikus)

 

Wie man Mandate im Familienrecht bearbeitet

 

 Eine Rezension zu:

 

Beate Heiß

 Das Mandat im Familienrecht

Reihe: NOMOSANWALT

Erstauflage

Baden-Baden: Nomos-Verlag, 2005, 1177 S.

ISBN 3-8329-1346-7

http://www.nomos.de 

 

Das überzeugende Handbuch ist der ideale Begleiter für die Durchführung familienrechtlicher Mandate und stellt eine Neuheit auf dem Gebiet der familienrechtlichen Literatur dar. Es behandelt letztlich alle wesentlichen Fragen, die sich bei der Bearbeitung familienrechtlicher Mandate ergeben können und orientiert sich am Ablauf eines Mandates. Infolgedessen setzt die Darstellung bei der Erstberatung an. Da die Beratungsanforderungen je unterschiedlich sind, je nachdem um was es sich handelt, differenziert die Darstellung bei der vorgerichtlichen Rechtsberatung in Ehescheidungssachen, Unterhalts- und Versorgungsausgleichsfragen, das Umgangsrecht, den Kindesunterhalt Ehewohnung - und Hausrat, Vermögensauseinandersetzung sowie Kostenfragen. In diesem Zusammenhang werden auch Beratungs- und Prozesskostenhilfe intensiv berücksichtigt, da diesen Bereichen im Familienrecht eine erhebliche Bedeutung zukommt. Da diesen Fragen sämtlich im Familienprozess eine herausragende Bedeutung zukommt, beschränkt sich der erste Teil auf die Präsentation von Checklisten. Da immer wieder Erstberatungen durch einen Anwalt für beide Parteien gewünscht wird und sich für den beratenden Anwalt hier erhebliche Risiken (Parteiverrat!) ergeben können, hat die Autorin ein interessantes Muster entwickelt, dass die Parteien über die Rechtslage aufklärt und insbesondere der anwaltlichen Absicherung dient.

Teil 2 behandelt das Scheidungsrecht (ohne Scheidungsfolgenrecht, das später behandelt wird). Durch den gesamten Band ziehen sich sehr interessante Beratungshinweise, so etwa der Hinweis, das viele Parteien fälschlich davon ausgehen, dass das Gericht von sich aus die Scheidungsfolgen regelt, statt bei Fehlen entsprechender Anträge nur über Scheidung und den Versorgungsausgleich. Wenn man so will, besteht das Buch aus einer ausgezeichnet ausgearbeiteten Checkliste für fast alle Eventualitäten des Familienrechts. Für die Einleitung der Scheidung finden sich zahlreiche Muster. Intensiv eingegangen wird auf Haftungsrisiken. So wird vor der unterschiedlichen Handhabung der Gerichte bei der Einreichung von Scheidungsanträgen vor Ablauf des Trennungsjahres gewarnt, da dies Kostenrisiken zur Folge hat, die zu Honorarverlusten führen können. Intensiv erörtert wird in Teil die Möglichkeit der Beantragung von Prozesskostenhilfe und deren Berechnung.

In ähnlicher Art und Weise behandelt Teil 4 Fragen des Sorgerechts, Teil 5 Probleme des Umgangsrechts und Teil 6 die Herausgabe des Kindes an einen anderen Elternteil, während Teil 8 eingehend auf die leider sehr praxisrelevante Materie des Haager Kindesentführungsabkommens eingeht und hier zahlreiche interessante Hilfestellungen bietet. Der Schwerpunkt des Werkes liegt - angesichts der Praxisrelevanz verständlich - auf dem Ehegattenunterhalt, der in Teil 8 eingehend behandelt wird. In diesem Rahmen wird besonders die Berechnung des Unterhalts sehr plastisch aufgearbeitet, aber auch Einwendungs- und Abänderungsmöglichkeiten dargestellt. Dies Kapitel weist einen sehr umfänglichen Formularteil auf. Es wäre wünschenswert, wenn die nächste Auflage die zahlreichen Formulare auf CD-ROM enthalten könnte. Teil 9 stellt die Praxisfragen des Kindesunterhaltes dar. teil 10 behandelt die vermögensrechtliche Auseinandersetzung unter Ehegatten und hier maßgeblich den Zugewinnausgleich. Alle Kapitel - außer dem ersten - enthalten einen eigenen Abschnitt für prozessuale Fragen. Teil 13 geht auf Fragen der Ehewohnung ein, während Teil 14 das Gewaltschutzgesetz zum Gegenstand hat und  Teil 15 Fragen der Hausratsverteilung behandelt. Teil 16 geht näher auf Abstammungsfragen ein. Teil 17 behandelt den wichtigen Unterhaltsanspruch der nicht verheirateten Mutter gegen den anderen Elternteil, der Betroffenen oftmals unbekannt ist. Teil 18 behandelt den Verwandtenunterhalt und Teil 19 geht auf die nichteheliche Lebensgemeinschaft ein. Der Anhang betrifft insbesondere Unterhaltsrecht anhand der maßgeblichen Berechnungsrichtlinien.

Das Handbuch dürfte jeder Anwältin und jedem Anwalt eine große Hilfe sein, die im Familienrecht tätig sind, gerade auch am Beginn der Anwaltstätigkeit.