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Ralf Hansen

Medien international  

Eine Rezension zu:

Hans - Bredow Institut (Hrsg.)

Internationales Handbuch Medien

Rechtsansprüche und deren Durchsetzbarkeit

27. Auflage

Baden - Baden: NOMOS, 2004, 1200 S.

ISBN 3-7890-0603-7

http://www.nomos.de

Das internationale Handbuch Medien erscheint alle zwei Jahre und bietet einen umfassenden Überblick über die jeweils aktuellen Entwicklungen im Medienbereich. Wer sich mit Medien befasst, ist auf dieses Handbuch angewiesen. Maßgeblich im Blick sind dabei die publizistischen Massenmedien. Allerdings wird die Entwicklung der der Medien des Internets durchgehend in die Analysen einbezogen. 

Teil A stellt die internationale Medienentwicklung in interdisziplinären Analysen dar. So behandelt der Artikel von Tietje die maßgeblichen Rechtsprobleme der internationalen Informationsordnung und legt mit dieser Arbeit einer der bislang interessanten Studien zur völkerrechtlichen Regulationsansätze des Informationsrechts vor. Er geht dabei von der völlig zutreffenden Annahme aus, dass effektive nationalstaatliche Regelungen angesichts der grenzüberschreitenden Interaktionen der elektronischen Kommunikation nur noch im Rahmen internationaler Kooperation verwirklicht werden kann, weist aber auch auf technische Kontingenzen hin. Selbstredend existiert kein geschlossenes Regime der internationalen Informationsordnung im Völkerrecht, sondern Normenkomplexe die zueinander in Beziehung stehen und Vernetzungen ausgebildet haben, die weit in die nationalstaatlichen Regulationen hineinreichen. Infolgedessen geht der Verfasser die verschiedenen Regulationsansätze durch und unternimmt eine wertende Gesamtschau, die insbesondere das WTO-Regime einbezieht und dessen Bedeutung für den E-Commerce. Nachgegangen wird auch dem Einfluss der menschenrechtlichen Dimension, die stets noch zur Frage der Selbstregulierung gegenüber der staatlichen Regulierung geführt hat, da die Nationalstaaten nach wie vor massive Regulationsansprüche aufrecht erhalten, sodass Global Governance bislang nur Postulat ist.

Dörr stellt die europäische Medienordnung in einem ungemein lesenswerten Überblick dar, der menschenrechtliche Aspekte der EMRK als Grundlage der europäischen Medienordnung zur Medienordnung der EU in Bezug setzt und deren primärrechtliche Kompetenzen eingehend analysiert, um sodann zu den Regelungsbereichen vorzustoßen, die maßgeblich im Richtlinienrecht aufzufinden sind. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf der Analyse des großen Einflusses der Rechtsprechung des EuGH und des BVerfG. Die Übersicht zeigt eine schwierige "Gemengelage" zwischen Europarecht (des Europarates wie der EU) und nationalstaatlichen Normenkomplexen, sodass eine originäre europäische Medienordnung erst im Entstehen begriffen ist, deren Konturen aber schon deutlich werden. Er plädiert mit guten Gründen für ein "Europa der Regionen", das in der verabschiedeten aber noch nicht ratifizierten EU-Verfassung deutliche Stützen finden wird.

In den weiteren Darstellungen des Teiles A bieten Kleinsteuber/Thomaß eine interessante Analyse der internationalen Kommunikationspolitik im Vergleich nationaler Entwicklungen, der den Internationalisierungsprozess deutlich macht, in dem sich die Medienwelt derzeit befindet und insbesondere den Verlust nationalstaatlicher Regulationsmöglichkeiten politiktheoretisch eindrucksvoll untermauern. Damit ist insbesondere das Problem des Handelns der "Global Player" angesprochen, das Sjurts im nächsten Beitrag im Widerstreit persistenter versus dekonstruktiver Unternehmensstrategien eindrucksvoll behandelt. Es ist nicht möglich in diesem Rahmen auf alle Beiträge einzugehen, die allesamt durch ein hohes Niveau gekennzeichnet sind. Ludwig untersucht die Pressedistributionen im internationalen Vergleich, während Senger die Distribution elektronischer Medien analysiert und Hallenberger sich den äußerst interessanten Fragen des internationalen Fernsehformatshandels widmet. Zimmer untersucht die Entwicklung des Internets in globaler Perspektive.

Teil B enthält vergleichende Darstellungen des Mediensystems in Europa, wobei sich die Perspektive erfreulicherweise auch auf Staaten jenseits der EU erstreckt. So finden sich hier etwa Informationen zum Mediensystem Albaniens, Russlands oder der Türkei, die schwer zu recherchieren sind. Dabei wird auch auf die jeweiligen rechtlichen Regulationen im Überblick eingegangen. Teil C widmet sich ausgewählten Medien außerhalb Europas, wobei Argentinien, Indien, Iran und die USA als Beispiele gelten dürfen. Alle Artikel bieten Hinweise zu weiterführenden Informationen und Adressmaterial. Der Anhang enthält eine ausgreifende Bibliographie und ein Institutionenregister.

Das Handbuch ist für alle, die sich professionell mit Medien befassen schlichtweg unentbehrlich und ein Ratgeber der ersten Wahl.