Familienrecht in Schwerpunkten

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N. Schoss

Ein Kompaktkurs im Familienrecht

Eine Rezension zu:

Wilfried Schlüter

BGB-Familienrecht

Reihe: schwerpunkte


12., neu bearbeitete Auflage 

Heidelberg: C.F. Müller, 2006, 323 S., 21,00 €


ISBN 3-8114-8042-1

http://www.huethig.de
http://www.cfmueller-campus.de

Das Familienrecht von Schlüter, emeritierter Münsteraner Ordinarius, gehört sicher zu den führenden Lehrbuchdarstellungen dieses interessanten Teilrechtsgebietes des BGB, das immer wieder gern reformiert wird. Er ist eingehend vorzustellen ist überflüssig, weil es sich in nunmehr 12 Auflagen nachhaltig durchgesetzt hat. Überschaubarer ist diese Materie nach den zahlreichen Reformen nicht geworden, zudem neue Reformen bestehen bevorstehen und die Rechtsprechung des BGH in Familiensachen eine Geschwindigkeit angenommen hat, die etwa im Unterhaltsrecht dazu geführt, dass die "Düsseldorfer Tabelle" und ähnliche Leitbildwerke nur noch eingeschränkt benutzt werden können.
 
Da es dem Verfasser seit der ersten Auflage ein Anliegen ist, das Familienrecht in seiner Bewegung "einzufangen", ist es selbstverständlich, dass die zum 01.04.2007 in  Kraft tretenden Änderungen des Unterhaltsrechts bereit eingehend berücksichtigt sind. Da es sich um ein Lehrbuch handelt, liegt es auf der Hand, dass eine Erörterung der gesetzlichen Institutionen im Vordergrund nicht, nicht eine Dokumentation der weit verzweigten Kautelarjurisprudenz. Weiterführende Hinweise erfolgen daher in Kleindruck. Eingestreut sind zahlreiche Fääle, die im Text gelöst werden. Das Werk hat jetzt den Stand vom Juli 2006.
 
Das Werk richtet sich gleichermaßen an Studenten wie an Rechtsreferendare, denen insbesondere im Unterhaltsrecht oder im Recht des Versorgungsausgleich vertieftere Kenntnisse vermittelt werden als etwa in einem reinen Grundriss. Bewusst verzichtet der Verfasser auf die Einbeziehung der Kautelarjurisprudenz, da jeder Jurist, der die Grundstrukturen beherrscht, auch ermessen kann, ob die Reichweite der betreffenden Klauseln trägt, was ein Austesten der Grenzbereiche nie ausschließt. Der Text enthält viele Beispielsfälle mit gutachterlichen Lösungen und übt so auch in die familienrechtliche Fallbearbeitungspraxis ein. 
 
Der Band hat wie bisher einen klaren Aufbau. Nach einer Einleitung, die auch historische Fragen kurz streift, wird zunächst das Eherecht behandelt. Hier stechen etwa die Ausführungen zur fehlerhaften Ehe hervor, zumal sich hier - wie bei der Aufhebung - erhebliche Änderungen seit 1998 ergeben haben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt sicher auf dem ehelichen und nachehelichen Unterhaltsrecht, bei den Güterständen und beim Zugewinnausgleich, bzw. bei den Rechtsfolgen der Gütertrennung. 
 
Gut erklärt sich auch die Zusammenhänge mit dem Erbrecht bei § 1371 BGB. Sehr prägnant sind auch die Ausführungen zur Zwangsvollstreckung gegen Ehegatten, die allerdings bei den nichtehelichen Lebensgemeinschaften keine Entsprechung finden. Die Ausführungen zu Scheidung- und Scheidungsfolgen dürften selbst noch für Praktiker interessant sein, weil nahezu alle Aspekte angesprochen werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt naturgemäß auf dem Kindschaftsrecht. Hier werden insbesondere Fragen der elterlichen Sorge gut erklärt. Gerade Fragen der Personensorge und deren Entziehung nebst ihren sozialrechtlichen Folgen beschäftigen Gerichte zunehmend in einem erschreckenden Ausmaß. Auch die Darlegungen zum Lebenspartnerschaftsgesetz erlauben es, diese Materie schnell anzuwenden. Im Rahmen der Darstellung des Rechts der nichtehelichen Lebensgemeinschaft bedauert der Verfasser, daß der Gesetzgeber es bei Erlaß des Lebenspartnerschaftsgesetzes unterlassen hat, einige der Brennpunkte des Rechts des nichtehelichen Lebensgemeinschaft zu entschärfen. Dem kann nur zugestimmt werden, da dies hätte geschehen können, ohne eine Regelung en bloc durchzuführen. Soweit diese Fälle einer angemessenen Lösung zugeführt werden können, werden diese Ansätze hier sehr systematisch präsentiert. Berücksichtigt wird durchgehend auch die Vertragsgestaltungspraxis.
In § 28 wird auch die Problematik der Auflösung der nichtehelichen Lebensgemeinschaft erörtert, deren Auflösungsprobleme nunmehr Gegenstand des § 29 sind.
Das Werk bietet einen hervorragenden Überblick über die entscheidenden Grundfragen des Familienrechts.