Vergütungsvereinbarungen

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Ralf Hansen

Anwaltliche Vergütungsvereinbarungen

Eine Rezension zu: 

Andreas Krämer/Reinhold Mauer/Matthias Kilian

Vergütungsvereinbarung und - management


Erstauflage

Reihe: Anwaltsmanagement

München: Verlag C. H. Beck, 2005, 324 S., Euro 42,00
 

ISBN 3-406-52789-2

http://www.beck.de

 

Der Rechtsberatungsmarkt ist für Anwälte schwierig geworden. Noch nie war der Wettbewerb unter Anwälten so hart wie derzeit, was sich durchaus auch auf den gegenseitigen Umgang auswirkt. Jenseits der Prozessmandate mischen inzwischen viele unberufene Teilnehmer am Rechtsberatungsmarkt mit. Das Gesetz zur Modernisierung des Kostenrechts stellt dabei die Weichen für eine geänderte Abrechnung der außergerichtlichen Beratungstätigkeit, indem das Honorar mit Wirkung vom 01.06.2006 frei ausgehandelt werden kann. Bereits jetzt hat sich die "Geiz-ist-geil-Methode" eingebürgert. Interessenten versuchen den Preis zu drücken, wo sie können, was eine gewisse Standhaftigkeit erfordert, da manche Mandaten wie auf einem Bazar zu feilschen versuchen, mit entsprechender Zeitintensität. Gefordert wird die preiswerte Beratung, gefördert durch Dumping - Angebote im Vollzug einer "Aldisierung des Anwaltsmarktes". Die Zeiten in denen es reichte, auf die gesetzlichen Gebühren zu verweisen, sind schon lange vorbei. Etwa im Medien - und Internetrecht wird außergerichtlich kaum nach dem RVG abgerechnet. Es überwiegen Honorarvereinbarungen auf der Basis kalkulierter Stundensätze. Dabei ist nicht zu verkennen, dass langwierige Honorarverhandlungen betriebswirtschaftlich Kosten produzieren, da in dieser Zeit nicht produktiv gearbeitet wurde, wenn sie scheitern und eine Mandatierung nicht zustande kommt. Die Akquisitionskosten steigen ohnehin ständig. Hinzu kommt, dass das kommende Rechtsdienstleistungsgesetz erhebliche Bereiche der Rechtsberatung für nicht anwaltliche Anbieter freigeben wird, wenn der derzeitige Entwurfstext Gesetz werden sollte. Anlass genug für Rechtsanwälte sind eingehend und auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten mit Vergütungsvereinbarungen (Honorarvereinbarungen) zu beschäftigen. In dieser Situation kommt es darauf an, leistungsbezogene Honorarmodelle zu entwickeln, die durchaus auch auf den Mandanten Rücksicht nehmen, wo dies geboten und sinnvoll erscheint. Der Blick in Abrechnungsmodalitäten des Auslands mag hier durchaus helfen. Ohnehin steht das deutsche System einer Abrechung nach Gegenstandswerten international fast isoliert da.

Das vorliegende Buch bietet eine ausgezeichnete Darstellung der maßgeblichen Aspekte des "Pricing" in der Anwaltschaft, wobei betriebswirtschaftlich betrachtet eine kostenbasierte (und konkurrenzbasierte) Betrachtungsweise einer mandantenorientierten Betrachtungsweise gegenüber steht. Da die Ausführungen alle erreichbaren empirischen Analysen - durch kritisch - heranziehen, bieten die Autoren einen profunden Überblick über die aktuelle Preisgestaltung, die starken Schwankungen unterworfen ist. Mehr oder weniger wird hier auf alle Details der Preisbildungsfaktoren am Markt eingegangen, wobei die verschiedenen Formen der anwaltlichen (Zusammen-) Arbeit ebenso berücksichtigt werden wie Arbeitstempo, Schwierigkeitsgrad und Mandantenstruktur.

Teill 2 stellt die verschiedenen Honorarsysteme im Überblick dar. Interessant sind etwa die Ausführungen zur Abrechnung nach Stundensätzen, die zeigen, dass sich die deutschen Geflogenheiten des US-amerikanischen Standards tendenziell annähern. Zwar ist eine Abrechnung nach Stundensätzen streckenweise noch schwierig zu vermitteln, jedoch hilft oftmals eine Gegenüberstellung der gesetzlichen Abrechnungsmethode zu diesen Methoden, soweit dies berufsrechtlich zulässig ist. Allerdings wird auch oft der Wunsch nach Pauschalhonoraren geäußert, die sich letztlich aber nur auf der Basis kalkulierter Stundensätze vereinbaren lassen. Mischformen sind inzwischen weit verbreitet. In Deutschland bestehen allerdings berufsrechtliche Grenzen, die auch klar herausgearbeitet werden. Im Anschluss daran werden  preisstrategische Fragestellungen behandelt, so auch die Möglichkeiten standardisierter Beratungsdienstleistungen und die Kommunikation von Honoraren.

Teil 3 entwickelt den Rechtsrahmen für das "Pricing" bei Vergütungsvereinbarungen. Dabei kommt das bereits angesprochene Problem der unzulässigen Vergütungsvereinbarungen eingehend zur Sprache. Bei einer prozessualen Tätigkeit etwa stellt das RVG die Untergrenze dar, die nicht unterschritten werden darf, auch wenn dies von Mandanten immer wieder nachgefragt wird. Oftmals wird ohnehin - wenigstens versuchsweise - jede Rechnung zur Diskussion gestellt. Geraten wird ohnehin zu einer vertraglichen Fixierung, die von Mandanten oftmals gescheut wird. Ein Muster für eine Vergütungsvereinbarung findet sich im Anhang.

Die Darstellung gipfelt in der Vorstellung von 10 Thesen zum zukünftigen Honorarmanagement.  

Das Buch bietet eine äußerst profunde Übersicht zum "Pricing" am Anwaltsmarkt und sollte bei der Preisgestaltung entsprechende Berücksichtigung finden.